Mittwoch, 8. Juni 2011

Syrische Christen in der Türkei: "Wir sind seit Jahrtausenden hier"

Die wenigen verbliebenen syrisch-orthodoxen Geistlichen und Gläubigen bemühen sich, das kirchliche Leben aufrecht zu erhalten und neue spirituelle Impulse zu setzen

"Kathpress"-Hintergrundbericht von Georg Pulling


Ankara, 08.06.2011 (KAP) Vier Bischöfe und einige Priester und Mönche für 13.000 Gläubige - von einem solchen Verhältnis von Geistlichen zu Gläubigen können viele Kirchen nur träumen. In der Türkei belegen diese Zahlen aber, dass die einst große und blühende syrisch-orthodoxe Kirche ums Überleben kämpft. Die in der Türkei verbliebenen Geistlichen und Gläubigen bemühen sich, das kirchliche Leben aufrecht zu erhalten und entsprechende Strukturen zu bewahren bzw. neu aufzubauen.

Am 3. Juli wird in der zentralanatolischen Stadt Adiyaman der neue Bischofssitz der gleichnamigen Diözese mit einem Festgottesdienst feierlich geweiht. Dazu wird eigens das Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche, Mar Ignatius Zakka I. Iwas, aus Syrien anreisen. Bischof der Diözese ist Mor Gregorios Malke Ürek.

Seit 2001 als Mönch und seit 2006 als Bischof bemüht sich Ürek um die Seelsorge in der Zentraltürkei und den Aufbau kirchlicher Strukturen. Von 1915 bis zur Weihe Üreks hatte die Diözese Adiyaman keinen Bischof. Das Diözesangebiet reicht von Zentralanatolien bis ans Mittelmeer bei Iskenderun und umfasst gerade einmal 150 christlich-syrische Familien. In Adiyaman selbst gebe es gerade einmal sieben Familien, räumt Bischof Ürek im "Kathpress"-Gespräch ein. Dementsprechend viel Zeit verbringt der Bischof im Auto, um seine verstreuten Gläubigen zu besuchen, Gottesdienste zu halten, Taufen zu spenden oder auch den Kirchen einen rudimentären Religionsunterricht zu geben.

Unterstützt wird er dabei gerade einmal von zwei Mönchen. Vier Kirchen besitzt und nutzt die große und zugleich doch so kleine syrische Diözese, zwei davon seien allerdings in einem sehr schlechten Zustand, bedauert Bischof Ürek.

Positiv erwähnt der Bischof, dass die syrisch-orthodoxen Christen in Iskenderun die neue eröffnete Kirche der syrisch-katholischen Gemeinde benützen können. Die Gebäude wurde erst vor kurzem von Seiten der türkischen Regierung an die Kirche zurückgegeben, früher wurde es vom Militär und als Kino genutzt.

Ein kleines Hoffnungszeichen liegt für Ürek darin, dass die große Auswanderungswelle der Syrer in den 1980er und 1990er-Jahre vorbei ist. Jetzt wandere niemand mehr aus, wohl würden aber einige Christen nach Istanbul ziehen, wo in den letzten Jahren eine größere syrische Gemeinde entstanden ist, die von Bischof Yusuf Cetin geleitet wird.

Tausende Syrer ohne Kirche

Die syrisch-orthodoxe Kirche in Istanbul im Stadtteil Tarlabasi in Beyoglu mit angeschlossenem Gemeindezentrum, wo auch Metropolit Cetin residiert, ist für die 10.000 Gemeindemitglieder längst zu klein geworden. Deshalb bemüht sich der Bischof seit längeren um eine zweite Kirche. Doch die Behörden hätten bisher alle Ansuchen um ein entsprechendes Grundstück und eine Baubewilligung abschlägig beantwortet, kritisiert Cetin. Derweilen genießen die Syrer Gastfreundschaft in der katholischen Kirche Saint Etienne im Stadtteil Yesilköy.

Metropolit Cetin kann aber auch über leichte Verbesserungen für seine Kirche sprechen. So werde man inzwischen auch von Seiten der staatlichen Behörden zu den offiziellen Feiern zum türkischen Nationalfeiertag (29. Oktober) eingeladen. Vor 15 Jahren sei so etwas noch undenkbar gewesen. Und bei religiösen Feiern funktioniere die Zusammenarbeit mit den Behörden, etwa was den Polizeischutz betrifft, ebenfalls sehr gut.

Irritiert zeigte sich Bischof Cetin allerdings darüber, dass es - auch wenn in der Türkei grundsätzlich alle Bürger gleich sind - Angehörige der christlichen Minderheit keine Chancen auf hohe Positionen in Politik, Verwaltung oder Militär haben. Das sei nicht einzusehen, so Cetin: "Wir lieben dieses Land. Wir wollen als kleine Kirche an der Entwicklung des Landes mithelfen."

Spirituelle Quelle für alle Christen

Vier syrisch-orthodoxe Diözesen gibt es in der Türkei. Jene von Istanbul und Adiyaman sowie die Diözese Midyat/Tur Abdin und Mardin, beide im Südosten des Landes gelegen. Die Stadt Mardin war seit frühchristlicher Zeit einer der Brennpunkte des syrischen Christentums; noch bis zum Ersten Weltkrieg und dem Genozid von 1915 waren nahezu 50 Prozent der Bewohner Christen.

Eines der spirituellen Zentrum war und ist das nahe Mardin gelegene Kloster Der-ul-Zafaran. Das Kloster geht auf das 5. Jahrhundert zurück. Mit Unterbrechungen residierte bis 1923 der syrisch-orthodoxe Patriarch von Antiochien im Kloster, 1969 starb der letzte Bischof des Klosters. Vor zehn Jahren lebten nur mehr ein Mönch und eine Nonne im Kloster, das dem Verfall preisgegeben war.

Heute hat der Abt des Klosters und Erzbischof von Mardin, Philoxenos Saliba Özmen, wieder eine kleine Gemeinde im rundum renovierten Kloster um sich geschart. Er lebt mit zwei Mönchen und einem Lehrer samt dessen Familie im Kloster, das auch ein kleines Internat für syrische Buben beinhaltet. Diese besuchen staatliche Schulen im Mardin und werden abends im Kloster in syrischer Sprache, Kultur und Religion unterrichtet. So zählen insgesamt rund 30 Personen zur kleinen klösterlichen Gemeinschaft.

Da die syrisch-orthodoxe Kirche staatlich nicht als religiöse Minderheit anerkannt ist, darf sie auch keine eigenen Schulen führen. Bis in die 1960er Jahre war es noch möglich, dass syrische Kinder die Schulen der Armenier besuchte, dies wurde dann von Seiten der Behörden aber verboten. Ohne eigene Schulen ist es aber kaum möglich, dass die syrischen Kinder und Jugendlichen die eigene Sprache und Religion entsprechend erlernen können. Bescheidener Unterricht, wie er im Kloster stattfindet, ist die einzige Möglichkeit, die eigene Tradition, Kultur und Religion an die nächste Generation weiterzugeben.

Immer wieder berichten syrisch-orthodoxe Christen auch von Schwierigkeiten, syrische Kinder vom islamischen Religionsunterricht abzumelden. Grundsätzlich besteht in der Türkei ein verpflichtender Religionsunterricht, der sich in der Praxis am sunnitischen Islam orientiert. Christen und Juden sind von dieser Pflicht allerdings ausgenommen (nicht jedoch die Aleviten). Es gebe jedoch immer wieder Probleme mit Schulen und Lehrern, die dies nicht akzeptieren würden.

Rund um Mardin leben noch 130 christliche Familien, viele davon besuchen den Gottesdienst im Kloster. Aber auch für viele ausgewanderte Syrer sei das Kloster eine Art spirituelle Oase, die sie immer wieder aufsuchen würden, erzählt der Metropolit: "Alles was wir hier wieder aufgebaut haben und tun hat nur dann Sinn, wenn auch Menschen hier sind." Die Spiritualität des östlichen Christentums sei auch eine wesentliche Quelle für das Christentum im Westen, zeigt er sich überzeugt. Das Kloster steht auch Pilgern aus dem Westen offen und immer öfter wird es auch von Muslimen besucht.

Die letzten Christen von Dyabakir

Zunehmenden Besuch von Muslimen erhält auch Pfarrer Yusuf Akynz [Akbulut, SOL] in Dyabakir. In der Millionenstadt im Kurdengebiet lebten um 19.000 noch rund 13.500 syrische Christen, dazu noch weit mehr christliche Armenier. Heute zählt die christliche Gemeinde von Akynz [Akbulut, SOL] 25 Personen, darunter zwei Armenier. Er hat die Kirche zur Heiligen Jungfrau Maria im Zentrum von Dyabakir mit Spenden aus dem Ausland renoviert. Teile der Kirche gehen auf das 2. Jahrhundert zurück.

Die Kirche und das angeschlossene Wohnhaus sind von einer hohen Mauer umgeben. Die Mauer sei notwendig, erzählt der Priester, Anfeindungen von Muslimen seien keine Seltenheit. Andererseits würden auch viele Muslime die renovierte Kirche besichtigen und erstmals positiv mit der Tatsache konfrontiert werden, dass es in ihrer Stadt noch Christen gibt.

Von den einst 36 Kirchen in der Stadt ist kaum noch etwas zu sehen. Viele wurden in Moscheen umgewandelt. Einige sind aber noch vorhanden, beispielsweise die chaldäisch-katholische Kirche. Weil es aber keine Chaldäer mehr in der Stadt gibt, feiert Pfarrer Akynz [Akbulut, SOL] mit seinen syrisch-orthodoxen und den beiden armenisch-apostolischen Gläubigen in der katholisch-chaldäischen Kirche regelmäßig Gottesdienst. In der Not spielen die Differenzen zwischen den christlichen Konfessionen keine Rolle mehr.

Möglicherweise wird die gemischte Gottesdienstgemeinde bald auch in der armenischen Kirche Gottesdienste feiern können. Diese wird derzeit u. a. mit staatlichen Mitteln renoviert. Ob das letztlich auch dazu führen wird, dass in Dyabakir wieder ein armenisch-kirchliches Leben entstehen wird, bleibt freilich mehr als fraglich.

"Die Türkei ist unsere Heimat"


Im Zuge des Genozids an den Minderheiten in der Türkei 1915 kamen mehr als 100.000 Syrer ums Leben. Hunderttausende mussten fliehen. Nur wenige blieben im Land. Das wird beispielsweise auch an der Diözese Midyat/Tur Abdin deutlich. Um 1900 hatte die Stadt rund 25.000 Einwohner, mehr als 95 Prozent waren Christen. Heute leben zwischen 70.000 und 80.000 Menschen in der Stadt, darunter nur mehr einige wenige christliche Familien.

Die seit 1961 in der Türkei angeworbenen Gastarbeiter für Deutschland (und Österreich) waren in den ersten Jahren fast nur christliche "Tur Abdiner", die auf der Suche nach materieller Sicherheit nach Jahrhunderten des Leidens und der Unterdrückung ihrer angestammten Heimat den Rücken kehrten.

Wer blieb, geriet in der felsigen und unübersichtlichen Bergregion in den 1980er und 1990er-Jahren zwischen die Fronten. Aufgerieben in den Kämpfen zwischen türkischem Militär, kurdischer PKK und kurdischen Dorfmilizen verließen Tausende ihre Dörfer. Nur wenige Alte blieben meist zurück.

Heute leben noch ca. 2.000 Christen vor Ort im Tur Abdin; Tendenz leicht steigend, weil einige der geflohenen und ausgewanderten Menschen in den vergangenen zehn Jahren zurückgekehrt sind.

Metropolit Timotheus Samuel Aktas ist Abt des Klosters Mor Gabriel und zugleich Bischof der Diözese Midyat/Tur Abdin. Für ihn besteht kein Zweifel, dass das syrische Christentum in der Türkei auch weiterhin Bestand haben wird: "Die Türkei ist unsere Heimat, hier wollen wir leben. Wir sind keine eingewanderten Fremden, wir sind seit Jahrtausenden hier."

kathweb.at / 08.06.2011

Dienstag, 7. Juni 2011

Parlamentswahlen in der Türkei und Erol geht zum Regenbogen


Artikelbild: Vier Stockwerke Erol Dora: Der syrische Christ kandidiert im Südosten der Türkei für das gelb-rot-grüne Bündnis der Kurden. - Foto: Markus Bernath

Markus Bernath aus Mardin | 07. Juni 2011, 18:24


Reportage aus Mardin, wo am Sonntag ein syrischer Christ für die Kurden antrittt


In Mardin, dem Fleckerlteppich der Volksgruppen in der Türkei, tritt bei den Parlamentswahlen am Sonntag ein syrischer Christ für die Kurden an. Doch viele schreiben das liberaler gewordene Klima der regierenden AKP zu.

Im Krankenhaus liegen zwei Leichen. Keine gewöhnlichen Toten, es sind Männer der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Mehr als zwei Wochen liegen sie schon dort, und das bringt die Familienangehörigen auf und die Sympathisanten der Terrorgruppe. Dann kommt Erol Dora zu den Hunderten von Protestierenden vor dem Eingang des Krankenhauses, ein Christ und Kandidat der Kurdenpartei, und reckt die Arme wie ein Sieger in die Höhe, während die Menge applaudiert. Dora hat einen guten Tag erwischt: Der Staatsanwalt erklärt die DNA-Untersuchungen mit einem Mal für beendet und gibt die Leichen frei. So wird Wahlkampf gemacht in Mardin, tief im Südosten der Türkei.

"Märtyrer sind unsterblich", skandieren junge Frauen, als die Leichen der erschossenen PKK-Kämpfer mit einem schwer bewaffneten Polizeikonvoi abtransportiert werden. Die Kurdenfrage ist ganz offensichtlich nicht gelöst, auch wenn der türkische Regierungschef es so verkündet hat. Es ist eine der Zweideutigkeiten in diesem Wahlkampf, an dessen Ende am Sonntag allen Umfragen zufolge ein historischer dritter Sieg der konservativ-muslimischen Partei von Premierminister Tayyip Erdogan stehen wird.

Erol Dora, ein rundlicher Mann von 47 Jahren, lässt sich stockwerkehoch auf Häuserwänden in Mardin plakatieren. In dieser alten Stadt nahe der syrischen Grenze, wo Kurden, Türken und Araber, Muslime und Christen seit Jahrhunderten zusammenleben, war Dora weitgehend unbekannt. Ein syrisch-orthodoxer Christ für die Kurdenpartei? "Sie haben mich gefragt, und ich habe Ja gesagt", so erklärt er seine Kandidatur für die BDP. "Sie erkennt die Bedeutung der assyrischen Minderheit an", sagt er.

Wie die Kurden dürfen auch die syrischen Christen keinen Unterricht in ihrer Muttersprache haben. Und so kommt es, dass Doras kleine Wahlbusse mit den Regenbogenfarben der Kurden immer wieder von der Polizei gestoppt werden. Dann müssen die Insassen aussteigen, Ausweispapiere zeigen, sich filmen lassen.

"Jede Wahl war wichtiger"

Mardin ist das Patchwork der Türkei, der Fleckerlteppich der ethnischen Minderheiten. 75 Familien der syrisch-orthodoxen Gemeinde gibt es hier noch und eine ganze Straße von Schmuckhändlern mit christlichen Namen. Bald neun Jahre AKP-Regierung scheinen die Grenzen zwischen den Volksgruppen durchlässiger gemacht zu haben. "Jede Wahl war wichtiger für die Demokratisierung", sagt Gabriel Cilli, der einen dieser Juwelierläden führt. Sein Nachbar auf der anderen Straßenseite denkt dasselbe.

"Mit jeder Wahl wird es besser. Die Leute haben heute mehr Freiheit", meint Hasan Cuha, ein Araber. Er verkauft nicht nur CDs in seinem Musikladen, er singt auch - Türkisch, Arabisch, Kurdisch. "Mardin hat seine Identität wiedergefunden", sagt der Sänger. Unter den früheren Regierungen sei die Stadt immer in einem Atemzug mit den Terrorangriffen der PKK genannt worden, Erdogans AKP aber habe Mardin herausgeputzt und dem Tourismus geöffnet.

In der Stadt mit ihren 80.000 Einwohnern wird sich zeigen, wie sehr die AKP zur übergreifenden Volkspartei geworden ist. Doch wie in so vielen anderen türkischen Städten werden den Wählern in Mardin Kandidaten von auswärts vorgesetzt. Das ist eine andere Besonderheit dieser Parlamentswahlen.

Erol Dora arbeitet als Anwalt in Istanbul, stammt aber zumindest aus der Region, aus einem Dorf bei Silopi im Länderdreieck zum Irak und zu Syrien. Muammer Güler, der Kandidat der AKP in Mardin, war lange Gouverneur von Istanbul und ist jetzt der Geheimdienstkoordinator der Regierung. Izzet Ertem, ein Elektroingenieur, der für die Rechtsnationalisten der MHP antritt, ist aus der 250 Kilometer weit entfernten Stadt Elazig abkommandiert worden.

Was zählt, sind der Parteichef und sein Wort. Einen unabhängigen Abgeordneten, der um seine Wiederwahl kämpft, gibt es aber auch. Süleyman Bölünmez ist der Mann der Wohltaten, ein vermögender Unternehmer und Erbauer von Schulen, Krankenhäusern, Wohnungen in Mardin. "Wir danken Süleyman Bölünmez für diesen Basar", steht etwa über dem Eingang zu einem Markt in der Altstadt. Auch ihn will die AKP kleinkriegen.

Christen schwanken

Dora für die Kurden, Güler oder Bölünmez für die Türken und die muslimischen Araber. Die Christen aber schwanken. Dora soll ihre Stimmen einheimsen, das ist der Plan. "Natürlich werden wir ihn unterstützen", sagt der Schmuckhändler Cilli und zweifelt dann doch an der Kurdenpartei BDP mit ihren Autonomieforderungen und den unklaren Aussagen zum Gewaltverzicht: "Die Partei, für die Dora antritt, ist sehr ideologisch. Wir müssen abwarten, wie er sich zu ihr positioniert."

So steht die Koalition der Minderheiten bisher nur auf dem Papier der Wahlliste. Dass die AKP auch um die Christen wirbt, zeigt der Streit um das Kloster Mor Gabriel in der Provinz Mardin. Dort prozessiert der Clan von Süleyman Celebi, einem kurdischen AKP-Abgeordneten, seit Jahren hartnäckig gegen Metropolit und Mönche. Erdogan hat ihn dieses Mal nicht mehr für das Parlament aufgestellt.

(DER STANDARD, Printausgabe, 8.6.2011)

Wien: Kostbarer syrischer Bibeldruck online

Erster Druck der syrischen Peschitta-Bibel entstand 1555 in Wien - Nationalbibliothek stellt digitalisierte Version ins Netz

Wien, 07.06.2011 (KAP) Eine kostbare syrische Bibel aus dem 16. Jahrhundert - der erste Druck der sogenannten "Peschitta-Bibel" - ist ab sofort über den Katalog der österreichischen Nationalbibliothek online verfügbar. Der Bibeldruck entstand 1555 im Wien. Er basiert auf einer Übersetzung aus dem 5. Jahrhundert. Bis heute ist der syrische Text der Bibel in der syrisch-orthodoxen Kirche sowie in der Apostolischen Kirche des Ostens in Gebrauch.

Wie und warum der erste Druck der syrischen Bibelübersetzung gerade in Österreich erfolgte, erläuterte gegenüber "Kathpress" der an der Universität Salzburg lehrende Kirchenhistoriker Prof. Aho Shemunkasho. So geht der Bibeldruck auf die Zusammenarbeit zwischen dem syrisch-orthodoxen Mönch Moses von Mardin und dem aus Schwaben stammenden Diplomaten und Gelehrten Johann Albert Widmannstad zurück.

Die beiden lernten sich zunächst in Rom kennen. Widmannstad galt als äußerst sprachbegabter Theologe und Jurist, der als einer der ersten Europäer überhaupt die aramäische Sprache erlernte. Schließlich erarbeiteten sie in Wien das - nun digitalisiert vorliegende - Evangeliar. Entsprechend heißt es im Anschluss an den Evangelientext auf Syrisch, dass die Bibelvorlage für den Druck "in Wien" zur Zeit des "Ferdinandus, des römischen Königs" entstand. Abgeschlossen wurden die Arbeiten am 10. August 1554. Der Druck erfolgte dann einige Monate später.

Tagung in Mardin über syrisches Christentum

Zuletzt hatte die ökumenische Stiftung "Pro Oriente" gemeinsam mit der türkischen Artuklu-Universität in Mardin im Tur Abdin eine Tagung über die Bedeutung der altsyrischen Christen für den christlich-muslimischen Dialog veranstaltet. Dabei hatte Shemunkasho u. a. auch die Entstehungsgeschichte des Wiener Drucks der "Peschitta-Bibel" skizziert. Die Tagung stellte laut "Pro Oriente"-Präsident Johann Marte einen "Meilenstein auf dem Weg zu einem gleichberechtigten Miteinander der Religionen und Kulturen in der Region von Mardin" dar.

Mardin war seit frühchristlicher Zeit einer der Brennpunkte des syrischen Christentums. Vor dem Völkermord an den christlichen Minderheiten in der Türkei 1915 waren nahezu 50 Prozent der Bewohner Mardins Christen - in absoluten Zahlen rund 25.000. Heute leben in der gesamten Region um Mardin inklusive dem angrenzenden Tur Abdin nicht mehr als 3.000 Christen.

Die digitalisierte Peschitta-Bibel ist im Internet unter http://data.onb.ac.at/dtl/2933415 abrufbar.

kathweb.at

Samstag, 4. Juni 2011

103jährige aramäische Ahlenerin eingebürgert


Zur Einbürgerungszeremonie im Kreishaus begleitet wurde Hazno Dülek von ihrem Sohn Sükrü Dülek und ihrem Enkel Neil Dülek (v.l.)

Ihren 103. Geburtstag hat Hazno Dülek vor einigen Monaten noch als Türkin gefeiert - seit 1. Juni ist sie deutsche Staatsangehörige. Im Rahmen einer kleinen Feierstunde überreichte Landrat Dr. Olaf Gericke der hochbetagten Ahlenerin jetzt die Einbürgerungsurkunde. Hazno Dülek dürfte damit wohl landesweit die älteste "Neu-Deutsche" sein.

Zur Einbürgerungszeremonie im Kreishaus begleitet wurde die rüstige Rentnerin von ihrem Sohn Sükrü Dülek(57) und ihrem Enkel Neil Dülek (36). Mit ihrem Sohn und ihrer Schwiegertochter lebt sie zusammen in einem gemeinsamen Haushalt in Ahlen.

Frau Dülek kam erst 1996 im Alter von 88 Jahren aus der Türkei in die Bundesrepublik. Als verfolgte syrisch-orthodoxe Christin wurde ihr seinerzeit in Deutschland Asyl gewährt, wofür sie heute noch dankbar ist. Auch ihr Sohn, ein Großteil ihrer 13 Enkel, 31 Urenkel und 2 Ururenkel leben hier, sind längst integriert und fühlen sich wohl in Deutschland. Ein Beispiel ist ihr Enkel Neil, der als selbständiger Kaufmann im Natursteinhandel in Hamm seinen Betrieb hat und bereits vor 3 Jahren eingebürgert worden ist.

Jetzt ist auch seine Oma diesem Beispiel gefolgt! Wegen ihres hohen Alters galten für Hazno Dülek erleichterte Einbürgerungsvoraussetzungen.
kreis-warendorf.de

Freitag, 3. Juni 2011

Tur Abdin: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Im Kampf zwischen türkischer Armee und kurdischer Guerillabewegung PKK wurden die Christen in der türkischen Bergregion Tur Abdin aufgerieben und flüchteten. Inzwischen sind einige zurückgekommen und arbeiten an einer besseren Zukunft.

"Kathpress"-Reportage von Georg Pulling


Ankara, 03.06.2011 (KAP) Selten hat Metropolit Timotheus vom syrisch-orthodoxen Kloster Mor Gabriel die schlechten Straßen in die kleinen Bergdörfer im Tur Abdin so gerne zurückgelegt wie an diesem Sonntag. Heute ist für den Bischof und für alle syrischen Christen hier im kargen Südosten der Türkei ein besonderer Tag. In der kleinen Ortschaft Kafro wird der Metropolit den kleinen Iskender, das erste Kind einer sogenannten "Rückkehrerfamilie", taufen.

Die Region des Tur Abdin ("Berg der Gottesknechte") mit seinen Klöstern und Dörfern war eines der Zentren des syrisch-orthodoxen Christentums. Noch vor zehn Jahren standen viele Dörfer in der kargen Bergregion aber völlig leer. Die Ortschaft Kafro ist dafür ein gutes Beispiel. Im Kampf zwischen türkischer Armee, kurdischer Guerillabewegung PKK und den vom Militär bewaffneten kurdischen Dorfmilizen wurden die Christen aufgerieben. 1995 verließen die letzten Einwohner Kafro; das Dorf war dem Verfall preisgegeben.

2001 appellierte der damalige türkische Ministerpräsident Bülent Ecevit an die ausgewanderten Christen, zurückzukommen. Er versprach Rechtssicherheit. Ähnlich äußerte sich zur gleichen Zeit auch der türkische Staatspräsident Ahmet Necdet Sezer bei einem Besuch im Kloster Deyrulzafaran.

Die Syrer im Ausland nahmen den vermeintlichen Kurswechsel der türkischen Staatspitze wahr und einige folgten der Einladung. Insgesamt 14 Familien aus Deutschland, der Schweiz und Schweden, die früher in Kafro lebten, entschlossen sich 2006 zur Rückkehr. Ihre Häuser waren nicht mehr bewohnbar, sie bauten neue.

Zu den Rückkehrern zählt auch Israil Demir. 27 Jahre lebte er in Deutschland und arbeitete beim Autohersteller Audi. Jetzt ist er in der Bauwirtschaft vor Ort tätig, die drei Kinder besuchen Schulen in der nahen Stadt Midyat. Es sei schwierig, so Demir, den Lebensunterhalt zu verdienen. Noch problematischer sei aber nach wie vor die Sicherheitslage. Vor drei Wochen wurde er von einem Hirten mit einer Schrotflinte angeschossen und schwer verletzt, nachdem er verhindern wollte, dass dessen Herde über die Christenfelder zieht. Der Täter wurde bisher nicht gefasst, obwohl das Militär im Tur Abdin nach wie vor an vielen Ecken präsent ist. "Wir fühlen uns noch immer nicht sicher", klagt Demir. Trotzdem denkt er nicht daran, wieder nach Deutschland zurückzugehen: "Das hier ist unsere Heimat."

Dörfer ohne Kinderlachen

Bald nach Kafro führt die Straße an einem Militärcheckpoint weiter hinauf in die karge und einsame Bergwelt. Vorbei an einem Panzer schlängelt sich die schmale Schotterstraße durch kleine Schluchten und einen Pass, bis sie schließlich ins kleine Christendorf Badibe führt, dem Geburtsort von Aho Shemunkasho. Der Wissenschaftler lebt nun mit seiner Familie in Salzburg, arbeitet an der dortigen Universität und zählt zu den führenden - wenn auch wenigen - Syrologen weltweit.

Einst lebten 110 christliche Familien in Badibe. Als Shemunkasho 1968 als eines von acht Kindern in Badibe zur Welt kam, gab es in dem Dorf noch nicht einmal Strom. Trotzdem habe er eine glückliche Kindheit erlebt, bis die Auseinandersetzungen zwischen Armee und kurdischer PKK immer dramatischere Auswirkungen annahmen, erzählt er. Abwechselnd kamen schwer bewaffnete Guerillakämpfer und Soldaten in den Ort, okkupierten die Häuser der Bewohner und versorgten sich mit Nahrungsmitteln. In den Hügeln rund um das Dorf wurde gekämpft, immer wieder kamen im gesamten Tur Abdin Dorfbewohner ums Leben. Anfang der 1980er Jahre gab Ahos Familie schließlich auf und flüchtete nach Deutschland. Ab 1984 stand Badibe völlig leer.

Das Gebiet wurde zur militärischen Sperrzone erklärt. Letztlich sogar ein Glücksfall für die Auswanderer. Denn so konnte sich niemand ihre Häuser und Grundstücke illegal aneignen.

Auch nach Badibe sind seit 2006 wieder einige Bewohner zurückgekommen und haben ihre Häuser renoviert. Allerdings: Es sind nur alte Leute; Kinderlachen und -lärm hört man nicht in der kleinen Ansiedlung. Und auch die Alten verbringen nur die Sommermonate im Ort. Dann gehen fast alle wieder zurück nach Westeuropa.

Neues Leben in alten Klostermauern

Wer den Mönch Joachim im Mor Augin-Kloster besuchen will, braucht Gottvertrauen. Abenteuerlich schlängelt sich die schmale Straße die felsigen Südhänge des Tur Abdin hinauf zu einem riesigen, allerdings großteils verfallenen Klosterkomplex, der am Berghang klebt. Das Kloster wurde im 4. Jahrhundert gegründet, in der Blütezeit lebten dort mehr als 350 Ordensmänner. Mor Augin war ein bedeutendes spirituelles Zentrum, von dem aus Klöster bis in den Irak hinein gegründet wurden. Vor hundert Jahren lebten dort noch zwölf Mönche, 1970 starb der letzte.

Das Leben in Mor Augin war erschlossen bis der 35-jährige Pater Joachim das Anwesen für sich entdeckte. Mit einfachsten Mittel wurden einige Räume wieder hergestellt, in der Klosterkirche - nur eine Kirche von vielen in dem riesigen Komplex - wurde ein Altar eingerichtet. Mehrmals in der Woche fährt der Mönch die einsame Bergstraße hoch, um im Kloster Liturgie zu feiern. Dann erklingen in der Einsamkeit des Tur Abdin wieder in der Sprache Jesu die aramäischen Gesänge der syrischen Liturgie. In wenigen Wochen, so hofft Joachim, wird er für immer ins Kloster übersiedeln um hier sein spirituelles Leben zu führen und hoffentlich auch andere anzuziehen, wie er sagt.

Jenseits aller spirituellen Bemühungen muss er zuerst aber zentrale Klosterteile vor dem vollständigen Zerfall bewahren. Dabei sei er auf Spenden angewiesen, betont der Mönch. Vom türkischen Staat sei bisher kein Geld geflossen. Allerdings hätten die Behörden inzwischen zumindest die Bergstraße grob asphaltiert und eine Stromleitung zum Kloster verlegt. - Kleine Hoffnungszeichen auf eine bessere Zusammenarbeit mit dem türkischen Staat.

Glaube an die Zukunft

Bei der Taufe des kleinen Iskender ist die gesamte Dorfgemeinschaft von Kafro dabei. Die Eltern Kerima und Saliba sind aus der Schweiz zurückgekommen. Die Taufe findet in der kleinen Marienkapelle statt, die die Dorfgemeinschaft 2007 auf den Grundresten einer uralten Kirche erbaut hat. Unterstützt wurden die syrisch-orthodoxen Christen von Kafro dabei von der evangelischen Kirche im deutschen Würtenberg.

Eigentlich gibt es auch eine große Kirche im Ort. An der wird aber die schlimme Vergangenheit und unbefriedigende Gegenwart deutlich: Die Kirche ist völlig verwüstet und ausgeraubt. Die Wände sind mit Kritzeleien kurdischer PKK-Kämpfer und türkischer Soldaten verunstaltet. Zahllose Einschusslöcher von Maschinengewehren zeugen von der gewaltsamen Geschichte. Gerne würden die Bewohner von Kafro trotz allem auch diese Kirche wieder renovieren. Doch sie befindet sich im Staatsbesitz. Und der Staat zeigt derzeit keinerlei Interesse, von sich aus aktiv zu werden.

Bischof Timotheus spricht bei der Taufe von Iskender von einem großen Hoffnungszeichen für die Christen im Tur Abdin. 13 Kinder und Jugendliche leben damit nun schon in Kafro. Zwei weitere Familien erwarten demnächst Nachwuchs. Trotzdem scheint das neue Jugend- und Versammlungszentrum, das die Dorfgemeinschaft nahe der Marienkapelle baut, überdimensioniert. Doch mit dem Bau wollen die Leute von Kafro auch ein Zeichen setzen: dass sie an die Zukunft hier im Tur Abdin glauben.
kathweb.at / 3.6.2011

Donnerstag, 2. Juni 2011

Süryani Harflerle Türkçe Mektup

29 Mayıs 2011 Saat 11:36

Yerel Tarih araştırmacısı Selahattin Eyyubi Güler, Süryani Harflerle yazılmış Türkçe mektubun günümüz Türkçe'sine çevirdi. 100 yıl önce Urfa şivesiyle yazılmış mektupta ilginç notlar var

Harran Üniversitesi Öğretim Üyesi Yrd. Doç. Dr. A.Cihat Kürkçüoğlu 10 yıl önce bana Süryanice harflerle yazılı Osmanlıca iki sayfalık bir mektup ve bunun bazı kişilerce okunmuş notlarını vermişti. Ben de mektuba bir göz atıp okuma hatalarını da düzelttikten ve doğru şeklini yazdıktan sonra arşivime yerleştirmiştim. Aradan geçen uzun zaman içinde diğer kitap ve makale çalışmalarımdan dolayı mektubu unutmuştum. Arşivimi karıştırırken dosyaların arasında bu mektubu buldum ve yeniden gözden geçirdim. 95 yıllık bu nostaljik mektubu Urfa kültürüne kazandırmak istedim.

Mektup Süryani dilinin Batı Süryanicesi de denilen "Serta" formatıyla Osmanlıca olarak yazılmıştır. Serta formatı 9. yüzyıldan beri kullanılmaktadır. Günümüzde de Süryanice düz yazılar bu formatta yazılmaktadır. Daha eski bir format olan ve Urfa'da geliştirilen Estrangela türü ise artık süslemelerde kullanılmaktadır.

"Adana, Kasım 1915" tarihli mektubun sahibi Süryani Cırci Ümid, Urfa'da bulunan babası Ahmed Ağaya hitaben yazdığı mektupta, bize yabancı olmayan kelimeler kullanarak selam ve sevgilerini iletmiş ve hayırlı dualar talep etmiştir. Daha sonra

gardiyan olan kardeşi Yakub'un iki mahpus götürmek için Adana'ya geldiğini, kendisiyle görüştüğünü, iki gün yanlarında kaldığını ve tekrar Tarsus'a döndüğünü yazmaktadır. Mektup birkaç basit cümleden sonra yakın akrabalara yazılan selam, el ve göz öpme temenni- leriyle sona ermektedir.

Mektuptaki Türkçe ifadeler dikkate alındığında Süryanilerin Osmanlı Kültürünü benimse¬dikleri, bu kültür ile yoğrulup bütünleştikleri anlaşılıyor. Mektupta Süryani harfleri kullanılmış olmasına rağmen ifadeler Osmanlı Türkçesi ile yazılmıştır. "Bibi" örneğinde olduğu gibi metinde Türkçe ve Urfa ağzının birlikte kullanıldığı görülmektedir.


Gerekli açıklamaları dipnotlar halinde verdiğimiz iki sayfalık mektubun tercümesi şöyledir:

I. Sayfa

( 1 )

"26 Teşrin Adana 1915

Sevgili Pederim Ahmed Ağa Hazretleri,

Evvela çok muhabbet ve arzu ile selam ederek senin, validemin dahi ellerinden bus ederim ve hayırlı duanızı taleb ederim. Malumunuz olsun ki, bundan iki hafta evvel kardeşim Yak'ub, Tarsus'dan Adana'ya iki mahpusi götürmeg müna¬sebetiyle Adana'ya geldi. Bizi sorup buldi. Biribirimizle görüştüg. İki gün bir gece yanımızda kalub tekrar Tarsus'a gitdi. Bir gece beraber yattık. Gendine, tarafınıza bırçak

göndersin deyü söyledim ve göndereceğim dedi. Aylığımı aldığımda bundan sekiz gün evvel ben yanına gitdim. Bir gece yanında misafir oldum, yine Adana'ya geldim. Şöyle ki, bundan böyle istersem kolay bir yol ile yanına gidebilirim. Çimendifer parası 20 meteligdir. Bir buçuk saatten"

II. Sayfa

"istersem gidebilirim. Çünkü Mersin'den Tarsus'a kayd olunmuşdur deyu malumunuz ola. Bana hususi selamımı yazmamı her mektupta tavsiye eyledi.

Biraderlerimin gözlerinden bus iderum. Hemşiremin dahi gözlerinden bus iderum, dahi emmim Aruşan'ın ellerinden bus ider, keza hanesine selam iderim. Bibim Meryem'e, kocası

( ) Aruşak ve hanesine

selam iderim. Baki dost ve konşu, beni sual eden ve etmeyen bildiklerimizin kâffesine selam iderim.

Baki selamet haberlerinizi beklerim, çok arzularla pederim.

Mahdumunuz Cırci Ümid."

Dipnotlar

(1) Mektupta ay olarak sadece "Teşrin" verilmiş olup önündeki yazı silik olduğundan okunamamıştır. "Teşrin" Osmanlıcada 11. ve 12. aylara verilen addır. Teşrin-i Evvel ve Teşrin-i Sani yani "Birinci Teşrin", "ikinci Teşrin" gibi. Süryanicede Kasım ve Aralık ayları da Teşrin ile başlar, ilkinin sonuna "Kdam", ikincisinin sonuna ise "Ahroy" eklenir. Yani "Teşrin Kdam=İlk Teşrin" ve "Teşrin Ahroy=Son Teşrin" gibi. Burada hangi ayın yazıldığı net bir şekilde görünmemektedir. Mektubun 1915 yılı Kasım ayında yazılmış olabileceği tahmin edilmektedir.

(2) Mektupta açıkça "Ahmed" kelimesi geçmesi tuhafımıza gitti. Çünkü Süryanilerde Ahmet, Mehmet ve Mustafa gibi peygamberimize ait isimlerin konulmadığını biliyoruz. Ahmed Ağa'nın Süryani bir bayanla evli olduğu ihtimali de aklımıza geliyor ama daha çok, Cırci Ümid'in babalığı olma ihtimali akla daha yatkın gibi.

(3) Mektupta "brçak" şeklinde yazılı olan ismi, "burçak" olarak okuduk. Burçak, taneleri mercimeğe benzeyen ve hayvan yemi olarak kullanılan, 50 cm boylarında, türüne göre farklı farklı renklerde çiçekler açan bir bitkidir. Ahmed Ağa'ya gönderilmesi istenen burçaklar herhalde hayvan yemi olarak kullanılıyordu.

(4) Tren anlamındaki "Şimendifer" kelimesi yerel dilde "Çimendifer" olarak yazılmıştır.

(5) "hepsine"

(6) "oğlunuz"

Yerel Tarih Araştırmacısı Selahattin Eyyubi Güler Şanlıurfa Şurkav Dergisi...

Mittwoch, 1. Juni 2011

Türkei: Rechtsstreit zwischen Kloster Mor Gabriel und Staat eskaliert

Abt Timotheus kündigt im "Kathpress"-Gespräch an, Rechtsstreit mit türkischem Staat und umliegenden Dörfern notfalls bis zum EGMR austragen zu wollen.

Ein "Kathpress"-Hintergrundbericht von Georg Pulling


Ankara - 01.06.2011 (KAP) Das Kloster Mor Gabriel im Tur Abdin wird im Konflikt um Landbesitz alle Rechtsmöglichkeiten ausnützen und als letzten Schritt auch den Gang zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) nicht scheuen. Das hat der Abt des Klosters, Metropolit Timotheus Samuel Aktas im "Kathpress"-Gespräch betont. In dem Konflikt zwischen dem im Jahr 397 gegründeten Kloster und drei Dörfern der Umgebung geht es um rund 50 Hektar Klosterboden, die bei einer Landvermessung zur Erstellung von Grundbüchern nach EU-Vorgaben im Sommer 2008 strittig geworden waren. Sie werden inzwischen teilweise auch vom Finanzamt und von der Forstverwaltung beansprucht.

Im Mai 2009 hatte das Kloster einen ersten Prozess um die Grenzziehung zwischen seinem Gelände und umliegenden Dörfern gewonnen. Weiters wies im Juni 2009 ein Gericht in der Bezirksstadt Midyat die Klage des Finanzamtes gegen das syrisch-orthodoxe Kloster zurück. Das Finanzamt ging dagegen in Berufung. Ein weiterer Prozess um Ansprüche der Forstbehörde auf ein Waldgebiet des Klosters ging für das Kloster verloren, das nun ebenfalls in Berufung ging.

Der Oberste Gerichtshof der Türkei sprach schließlich im ersten Berufungsprozess im Jänner 2011 einige Ländereien dem türkischen Staat zu. Bislang dürfte aber noch kein schriftliches Urteil ergangen sein. Als Folge der Entscheidungen der türkischen Behörden könnte nun drohen, dass die weitläufige und hohe Mauern abgerissen werden müssen, die vom Kloster zum Schutz vor Übergriffen, Landraub und Abweidung errichtet wurden.

Bischof Timotheus wies im "Kathpress"-Gespräch darauf hin, dass das Kloster Urkunden aus den 1930er-Jahren besitzen würde, die eindeutig das Eigentumsrecht des Klosters belegen würde. Das habe auch das Gericht in Midyat anerkannt. Die Gegenseite habe hingegen nichts vorzuweisen. Trotzdem habe das Gericht in Ankara die Beweise des Klosters scheinbar nicht zur Kenntnis genommen.

In der ganzen Angelegenheit gehe es nicht mehr um Recht und Unrecht, vielmehr habe die Causa einen politischen Hintergrund. Es gebe Kräfte, die die Christen aus dem Land drängen wollten, so der Bischof.

Internationale Unterstützung

Die Prozesse sorgten und sorgen auch in Österreich und Deutschland für Aufsehen und wurden beispielsweise von deutschen Politiker sowie der Deutschen Bischofskonferenz und der Evangelischen Kirche heftig kritisiert. Der Österreichische Nationalrat hatte schon 2009 in einem gemeinsamen Beschluss die Bundesregierung aufgefordert, sich vehement für den Schutz des Klosters einzusetzen.
Von Seiten der türkischen Politik wurden bislang freilich die Sache heruntergespielt. Der türkische Botschafter in Deutschland ließ den Bischöfen mitteilen, dass der Streit um die Klostergüter Sache der Türkischen Justiz sei. Das Rechtsverfahren müsse respektiert werden. Meldungen, wonach ein Großteil des Klosterbesitzes verstaatlicht werden soll, würden nicht der Wahrheit entsprechen.
Unbestimmt blieb auch der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan, als er Anfang April diesen Jahres in Ankara mit dem Oberhaupt der syrisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Ignatius Zakka I. Iwas, zusammengetroffen war. Auch Bischof Timotheus war bei diesem Treffen dabei. Er zeigte sich gegenüber "Kathpress" enttäuscht. Die Bemühungen des Oberhaupts der syrisch-orthodoxen Kirche hätten keinerlei Erfolg gehabt.

Die Regierung werde tun, was sie könne, um das Problem im Sinne der syrisch-orthodoxen Gemeinde zu lösen, versprach Erdogan kryptisch nach einem Bericht der Zeitung "Hürriyet". Zunächst müsse aber das Ende der gerichtlichen Auseinandersetzung abgewartet werden. Bischof Timotheus wollte dem aber nicht so recht glauben: "Wir wollen keine schönen Reden mehr sondern Taten sehen."
Das Kloster Mor Gabriel ist eines der ältesten christlichen Klöster überhaupt. Das etwa 25 Kilometer von der Stadt Midyat entfernt gelegene Kloster wurde im Jahr 397 begründet. Als Gründer gelten der Heilige Samuel von Eshtin und sein Schüler, der Heilige Simon. In seiner Blütezeit lebten bis zu 1.000 Mönche im Kloster. Lange Zeit war Mor Gabriel Sitz des syrisch-orthodoxen Metropoliten des Tur Abdin. Auch heute residiert der Metropolit wieder im Kloster. Bischof Timotheus ist zugleich Abt von Mor Gabriel wie auch Bischof von Midyat und Tur Abdin.

Im Download [Das Gespräch auf Aramäisch] : O-Ton-Paket von einem Gespräch mit dem Abt des Tur Abdin-Klosters Mor Gabriel, Metropolit Timotheus Samuel Aktas, zur Lage der Christen im Tur Abdin und zum Rechtsstreit des Klosters mit dem türkischen Staat.

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Abt von Kloster Mor Gabriel appelliert an Österreich

Abt Timotheus: Kloster und die syrische Kirche brauche finanzielle, geistliche und politische Unterstützung - Ein "Kathpress"-Korrespondentenbericht von Georg Pulling

Ankara-Wien, 01.06.2011 (KAP) Mit einem Appell zur Unterstützung des Klosters Mor Gabriel im Tur Abdin - eines der ältesten christlichen Klöster überhaupt - hat sich der Abt des Klosters an Österreich gewendet. Konkret rief der Abt des Klosters, Metropolit Timotheus Samuel Aktas, im "Kathpress"-Gespräch die österreichischen Bischöfe auf, sich gemeinsam mit den verantwortlichen österreichischen Politikern für die Rechte von Mor Gabriel einzusetzen. Das Kloster und die syrische Kirche brauche finanzielle, geistliche und politische Unterstützung. Mor Gabriel sei nicht nur spirituelles Zentrum für die syrisch-orthodoxe Kirche sondern für die ganz Christenheit, so der Bischof.

In der Diözese Midyat, die Abt Timotheus als Bischof leitet, sowie im Tur Abdin leben heute noch 2.000 Christen. Dabei zählt der Tur Abdin zu den ältesten christlichen Gegenden der Welt. Die Kirchen in der Region sind teils mehr als 1.500 Jahre alt. Vor Armut, Anfeindungen und den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen der türkischen Armee und der kurdischen PKK in der Region flohen die meisten christlichen Einwohner in den 1970er-, 80er- und 90er-Jahren in die Westtürkei und nach Westeuropa. Heute leben rund 150.000 syrisch-orthodoxe Christen aus dieser Gegend in Schweden, der Schweiz, Deutschland und Österreich.
Seit 2001/02 sind allerdings einige Familien auch wieder in ihre angestammten Dörfer zurückgekehrt. Häuser und Kirchen wurden renoviert. Die Menschen seien nach Versprechungen des türkischen Staates zurückgekehrt, hätten hier vielfach aber nicht entsprechende Hilfe gefunden und seien enttäuscht, so Timotheus.

Es gebe aber auch Positives zu vermerken: Erst am vergangenen Sonntag hatte der Metropolit das erste Kind von Rückkehrern im Dorf Kafro getauft. Bischof Timotheus sprach von einem großen "Hoffnungszeichen". "Wir wollen hier Kinder sehen und hören", so der Bischof weiter. Zwei weitere Kinder seien "unterwegs". An die hunderttausenden in der Diaspora lebenden syrischen Christen appellierte der Bischof, ihre Sprache, Kultur und Religion zu pflegen und an die Kinder weiterzugeben.

Metropolit Timotheus: "Die Türkei ist unsere Heimat, hier wollen wir leben. Wir sind keine eingewanderten Fremden, wir sind seit Jahrtausenden hier. Wir wollen in einem freien demokratischen Staat leben, in dem die Menschenrechte geachtet werden." Dann könne man auch den vielen ausgewanderten Christen mit gutem Gewissen sagen: "Kommt bitte zurück."
Das Gespräch mit Metropolit Timotheus fand im Rahmen des Besuchs einer Pro Oriente-Delegation in Mor Gabriel statt. Pro Oriente-Präsident Johann Marte versicherte dem Metropoliten die Unterstützung der ökumenischen Stiftung.

Bewegte Geschichte des Klosters

Das Kloster Mor Gabriel ist eines der ältesten christlichen Klöster überhaupt. Das etwa 25 Kilometer von der Stadt Midyat entfernt gelegene Kloster wurde im Jahr 397 begründet. Als Gründer gelten der Heilige Samuel von Eshtin und sein Schüler, der Heilige Simon. In seiner Blütezeit lebten bis zu 1.000 Mönche im Kloster. Lange Zeit war Mor Gabriel Sitz des syrisch-orthodoxen Metropoliten des Tur Abdin. Auch heute residiert der Metropolit wieder im Kloster. Bischof Timotheus ist zugleich Abt von Mor Gabriel wie auch Bischof von Midyat und Tur Abdin.

Unter den Äbten des Klosters spielte der Heilige Gabriel von Bakisyan eine besondere Rolle, der die Gemeinschaft im 7. Jahrhundert, zum Zeitpunkt der islamischen Eroberung, leitete. Das Kloster wurde später nach ihm benannt. Gabriel war es offensichtlich gelungen, mit den neuen muslimischen Machthabern einen "modus vivendi" zu finden und zugleich die geistige Ausstrahlung des Klosters zu vertiefen.

Das Kloster wurde immer wieder von feindlichen Heerscharen erobert; doch nach jeder Katastrophe kehrten die Mönche zurück. Im Zuge des Völkermordes an den christlichen Minderheiten im damals noch Osmanischen Reich wurden alle Mönche ermordet und das Kloster 1915 geschlossen. Erst 1920 konnten die Mönche mit spärlichen Mitteln in das verwüstete Kloster zurückkehren. Ab 1956 baute Abt Raban Shabo Gunesh das Seminar von Mar Gabriel wieder auf.

In den letzten 25 Jahren wurde das Kloster vollständig renoviert und saniert, was auch Neidgefühle in der Umgebung weckte. Metropolit Timotheus hat das Kloster wieder zum geistlichen Zentrum der syrischen Christen ausgebaut. Aufforderungen der Behörden, die Schüler des Klosters heimzuschicken und Besucher nicht einzulassen, wies der Bischof und Abt stets vehement zurück.

Heute leben und arbeiten in Mor Gabriel rund 75 Personen - Mönche, Nonnen, Lehrer mit ihren Familien und 35 Schüler. In der Klosterschule werden die aramäische Sprache, aber auch Liturgie und Literatur der syrischen Christen gelehrt. Pro Jahr besuchen rund 85.000 Touristen und Pilger das Kloster.

Quelle: Katholische Presseagentur Österreich, 1.6.2011