Freitag, 10. September 2010

Glaubensbruder nach Überfall auf Bischof verdächtig

14:04
Syrisch-Orthodoxe Kirche

Glaubensbruder nach Überfall auf Bischof verdächtig

Festnahme nach dem Überfall auf den Bischof der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Hessen: Drahtzieher soll ein Glaubensbruder sein.

Foto: dpa Der Erzbischof der syrisch-orthodoxen Diözese in Deutschland: Julius Hanna Aydin

Die Täter schlugen und knebelten den alten Mann, raubten ihn aus und schnitten seinen langen, weißen Bart ab: Knapp ein halbes Jahr nach dem Überfall auf den syrisch-orthodoxen Bischof für Deutschland sehen die Ermittler das Motiv jetzt in einem Streit mit einem innerkirchlichen Widersacher.

Die Polizei ermittelt gegen einen 63-Jährigen aus Wiesbaden als möglichen Drahtzieher, sagte der Sprecher des Bielefelder Polizeipräsidiums, Martin Schultz, und bestätigte einen Bericht der Zeitung „Westfalen Blatt“. Bei dem Verdächtigen handele es sich um den ehemaligen Vorsitzenden des Diözesanrates der Kirche. Dessen Wohnung in Wiesbaden sei durchsucht worden. Das beschlagnahmte Material müsse jetzt ausgewertet werden.

Die Mordkommission „MK Kloster“ ermittle gegen den 63-Jährigen wegen Anstiftung zum versuchten Mord in Verbindung mit schwerem Raub, sagte Schultz. Am Überfall selbst habe er wohl nicht teilgenommen. Bischof Julius Hanna Aydin, Oberhaupt von rund 80.000 Gläubigen, war Mitte April im Kloster Warburg von drei Männern überfallen worden. Er hatte den Überfall als „ein gezieltes Attentat und einen Angriff auf die gesamte syrisch-orthodoxe Kirche in Deutschland“ bezeichnet.

Der Bischof hatte den Tatverdächtigen vorübergehend exkommuniziert. Gegen ihn hatte die Staatsanwaltschaft Paderborn bereits 2009 ermittelt. Er soll den Bischof im Juni 2009 mit dem Tod bedroht haben. In Wiesbaden soll er dem zweiten Vorsitzenden der syrisch-orthodoxen Gemeinde nach einem Streit gedroht haben, ihn umzubringen. Beide Verfahren wurden eingestellt.

Wegen Nötigung und Erpressung stehen der 63-Jährige und zwei Familienmitglieder im Alter von 45 und 49 Jahren an diesem Mittwoch (15. September) in Wiesbaden vor Gericht. Sie sollen in Wiesbaden einen Bistrobetreiber und einen seiner Mitarbeiter bedroht haben.
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Am Mittwoch war im Zusammenhang mit dem Überfall auf den orthodoxen Würdenträger ein 36 Jahre alter Syrer in Wiesbaden gefasst worden. Der Mann streitet die Tat ab. Nach den Mittätern werde noch gesucht, sagte Schultz.
dpa/kami / welt.de

Donnerstag, 9. September 2010

Mordversuch an Erzbischof Hanna Aydin aufgeklärt / Polizei nimmt drei Verdächtige fest


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VON HUBERTUS GÄRTNER

http://www.nw-news.de/_em_daten/_dpa/2010/09/08/aufmacher/100908_1638_kopten_aufmacher.jpg
Kloster | MONTAGE: ANDREAS FAHL

Warburg/Wiesbaden. Der brutale Überfall auf den Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Julius Hanna Aydin aus Warburg, ist für die Ermittlungsbehörden kein Rätsel mehr.

Wie der Paderborner Oberstaatsanwalt Horst Rürup auf Anfrage bestätigte, wurden gestern in Wiesbaden drei Männer im Alter von 36, 49 und 63 Jahren festgenommen. Einer der Tatverdächtigen solle dem Haftrichter vorgeführt werden, sagte Rürup.
Erzbischof Aydin, geistliches Oberhaupt der rund 80.000 Mitglieder der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, war am 15. April dieses Jahres an seinem Amtssitz in einem Kloster in Warburg von drei Männern überfallen worden. Das Opfer wurde zusammengeschlagen, mit einem Messer bedroht und beraubt. Auch sein Kopf soll unter Wasser gedrückt worden sein. Die Staatsanwaltschaft ermittelte daraufhin wegen versuchten Mordes. Die Täter waren in einem alten Mercedes geflohen. Dessen Halter ist einer der nun Festgenommenen.
Bischof hatte ihn aus der Kirche ausgeschlossen
Nach Informationen dieser Zeitung befindet sich unter ihnen auch der frühere Vorsitzende des mächtigen Diözesanrates der syrisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, Aslan K. (63). Oberstaatsanwalt Rürup wollte diese Information weder bestätigen noch dementieren.
  Aslan K. war von Julius Hanna Aydin im vergangenen Jahr zwischenzeitlich exkommuniziert worden. Aslan K. habe seine Machtposition als Vorsitzender des Diözesanrates wiederholt missbraucht, kritisierte der Erzbischof damals. Er warf dem Vorsitzenden des Diözesanrates zahlreiche Delikte vor. Unter anderem habe Aslan K. Mitglieder der syrisch-orthodoxen Kirche zusammenschlagen lassen und Spenden für private Zwecke missbraucht. Aslan K. sei "ein gefährlicher Mann", erklärte Aydin.

Nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden soll sich Aslan K. für diese Anschuldigungen mit dem gewalttätigen Überfall in Warburg gerächt haben. Wie Oberstaatsanwalt Horst Rürup bestätigte, wurde DNA-Material am Klebeband gefunden, mit dem der Erzbischof seinerzeit gefesselt worden war. Das DNA-Material lasse sich "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" einem der Beschuldigten zuordnen.
Mehrfach gab es brutale Übergriffe
Innerhalb der syrisch-orthodoxen Glaubensgemeinschaft gibt es immer wieder sehr heftige Auseinandersetzungen um Macht und Einfluss. Mehrfach hat es bereits brutale Übergriffe gegeben.

nw-news.de / 08.09.2010

Zu weiteren Information siehe www.suryoyo-online.org 

Mittwoch, 8. September 2010

Verdächtiger nach Überfall auf Bischof Julius Hanna Aydin festgenommen


08.09.2010 | 15:50 Uhr

POL-BI: Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Paderborn und der Mordkommission Bielefeld im Zusammenhang mit dem Überfall auf den Bischof der Syrisch-Orthodoxen Kirche im Kloster Warburg

Bielefeld Paderborn Wiesbaden (ots) - Am heutigen Mittwochvormittag, den 8.9.2010, konnte in Wiesbaden ein 36jähriger Syrer durch die Mordkommission Bielefeld festgenommen werden. Ein entsprechender Haftbefehl des AG Paderborn lag hierfür vor.
Die Festnahme wurde mit Unterstützung von Polizeibeamten aus Hessen und des LR Höxters durchgeführt.
Der 36jährige steht im dringenden Verdacht an dem Überfall auf den Bischof der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland im Kloster Warburg/Kreis Höxter am 15. April 2010 beteiligt gewesen zu sein. Der Bischof wurde seinerzeit von drei Männern überfallen, schwer körperlich misshandelt und ausgeraubt.
Der Festgenommene befindet sich zurzeit auf dem Weg zum Amtsgericht Paderborn, wo er der Haftrichterin vorgeführt werden soll.
Hinsichtlich der weiteren Täter werden die Ermittlungen intensiv weiter geführt.
Polizeipräsidium Bielefeld
Leitungsstab/Pressestelle
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08 · 09 · 10 ivz-online.de

Verdächtiger nach Überfall auf Bischof festgenommen
Bielefeld/Wiesbaden - Fünf Monate nach dem Überfall auf den Bischof der Syrisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Am Mittwoch sei in Wiesbaden ein 36 Jahre alter Syrer gefasst worden, teilten die Staatsanwaltschaft Paderborn und die Mordkommission Bielefeld mit. Er stehe im dringenden Verdacht, an dem Überfall auf Bischof Julius Hanna Aydin im Kloster Warburg (Kreis Höxter) am 15. April beteiligt gewesen zu sein. Der Bischof wurde damals von drei Männern überfallen, misshandelt und ausgeraubt

Donnerstag, 2. September 2010

Suriye`de Süryani Patrik, Müslüman din adamlarına iftar verdi

ŞAM (CİHAN) - Suriye`de bulunan Dünya Süryani Ortodoks Kilisesi Genel Başkanı Antakya ve Tüm Doğu Patriği Mar Ignatius Zakka I Iwas, Müslüman din adamlarına iftar yemeği verdi. Süryani Mar Afram Manastırında gerçekleştirilen iftar yemeğine Suriye Evkaf Bakanı Muhammed Abdussettar el Seyyid`in yanı sıra bir çok Müslüman ve Hristiyan din alimi katıldı.

Ramazan ayı Müslümanların yanı sıra Müslüman ve farklı dinlerdeki insanları bir araya getirmesi açısından ayrı bir boyut kazanıyor. Değişik ülkelerde gerçekleştirilen iftarlarda yemeklerinde farklı dinlerdeki insanlar bir araya geliyor. Suriye`de ise Patrik farklı bir uygulama ortaya koyarak manastırda verdiği iftar yemeğinde Müslüman ve Hristiyan din adamlarını bir araya getirdi.
Süryani Ortadoks Kilisesi Patriği Zakka I Iwas`ın verdiği iftar programına Müslüman ve Hristiyan bir çok din alimi katıldı. İftar programına katılan Suriye Evkaf Bakanı Muhammed Abdüssettar el-Seyyid, Semavi dinlerin hoş görü içinde yaşamalarının ve birlikteliğin sağlanmasının Suriye`yi daha da güçlü kıldığını söyledi.
Patrik I Iwas ise iftar yemeğinin, halkın tarihi boyunca pekiştirdiği ortak geleneklerin bir devamın olduğunu belirtti.
Patrik I Iwas, Suriye`nin gücünün her zaman ulusal birliğinden kaynaklandığını ifade ederek, bu tablonun inanç ve düşünce özgürlüğü konusunda bir örnek oluşturduğunu belirtti.
İftar yemeğine Hıristiyan dinin önde gelen bir çok şahsiyetiyle birlikte Şam ve Şam çevresindeki Müslüman din alimleri, müftüler ve evkaf müdürleri ile Papalığın Şam Büyükelçisi katıldı.
1.9.2010.

Dienstag, 31. August 2010

Verdienstkreuz für Schwester Hatune

Mutig gegen Armut und Not

VON SANDRA WAMERS

Glückwünsche auf der Klostertreppe | FOTO: SANDRA WAMERS

Warburg/Paderborn. Bundespräsident Christian Wulf hat Schwester Hatune Dogan aus Warburg die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. "In großer Dankbarkeit nehme ich dieses Ehrabzeichen an", sagte Schwester Hatune gestern bei einem Empfang im Warburger Kloster St. Jakob von Sarug.

In Warburg empfing Schwester Hatune Gäste aus aller Welt: Von Nepal bis Afrika, aus Indien und dem Irak. Mit ihrer "Sister Hatune Foundation" ist die engagierte Ordensfrau in 32 Ländern aktiv und hat über 5.000 ehrenamtliche Helfer für ihre Arbeit für die Ärmsten der Armen gewinnen können. "Ich bin wie ein Vogel ohne Flügel. Nur durch die ehrenamtlichen Helfer kann ich die Arbeit schaffen. Sie sind meine Flügel und für alle Helfer nehme ich diese Ehre entgegen", sagte gestern Schwester Hatune.

Bereits am Donnerstag hatte der Paderborner Landrat Manfred Müller im Rahmen einer Feierstunde in Paderborn Schwester Hatune die Ordensinsignien überreicht und ihr gleichzeitig die Glückwünsche des Ministerpräsidenten, des Innenministers und der Regierungspräsidentin Detmold ausgerichtet. "Informiere, führe Hilfsprojekte durch, besorge die finanziellen Mittel, packe immer wieder selbst mit an und verliere nie die Motivation zum Weitermachen", sei der Leitfaden ihres Handelns. Sie gebe den Menschen Hoffnung und Perspektiven, so Landrat Müller in seiner Laudatio.

Geboren in Midyat in der Osttürkei immigrierte Hatune Dogan als 15-jährige 1985 zusammen mit ihrer Familie nach Deutschland, da sie in der Heimat aufgrund ihres christlichen Glaubens verfolgt wurde.

1988 wurde sie Ordensschwester von St. Ephrem der Syrer im Mutterhaus Glane, Holland. Als Gemeindepädagogin arbeitete Schwester Hatune in verschiedenen syrisch-orthodoxen Gemeinden in Paderborn und unterrichtete in dieser Zeit die Kinder und Frauen in Deutsch und Religion und half den Familien, den Alltag in Deutschland zu meistern. Gleichwohl legte sie aber auch Wert darauf, dass für diese Mitbürger die traditionelle aramäische Sprache erhalten blieb. Zu diesem Zweck arbeitete sie fünf Jahre lang an einem deutsch-aramäischen Wörterbuch mit Lautschrift und Grammatik in beiden Sprachen, das 1997 veröffentlicht worden sei und im Sprachunterricht verwendet werde.

Schwester Hatune habe sich jedoch auch in Krisenregionen engagiert. Seit sie in 1992 das erste Mal in Indien mit der dort herrschenden Armut konfrontiert worden sei, setze sie alles daran, auch hier zu helfen. Sie dokumentiere und sammle Informationen der durchgeführten Aktionen für Helfer und Hilfsorganisationen aus Deutschland. Gleichzeitig überwache sie die korrekte Verteilung der Hilfe vor Ort und unterstütze den Bau zahlreicher Brunnen, Häuser und Schulen aus den von ihr überbrachten Spenden.

2005 wurde die "Sister Hatune Foundation" unter ihrem Vorsitz gegründet. In den von der Stiftung eingerichteten Ausbildungszentren werden Interessenten unentgeltlich in praktischen Fertigkeiten wie Schneidern, Sticken, Klempnern und Elektroarbeiten ausgebildet.
Oft unter schwierigsten Bedingungen suche Schwester Hatune den Kontakt zu den Menschen. So sei sie auch im Irak aktiv und setze sich dort für verfolgte Christen ein, informierte Müller. Mehrfach sei sie nach Syrien oder auch in den Libanon gereist, um mit Spenden aus ihrer Stiftung vor Ort zu helfen.

2006 gründete Schwester Hatune in Paderborn den Verein "Helfende Hände für die Armen e.V.". Sie ist zudem in der Regionalgruppe Paderborn des Ökumenischen Forums Christlicher Frauen in Europa (ÖFCFE). Im November 2008 meldete sie den syrisch-orthodoxen Frauenverein als eigenständige Gruppe des ÖFCFE an. Landrat Manfred Müller betonte, Schwester Hatune Dogan sei "eine unermüdliche Vermittlerin zwischen den Menschen verschiedener Kulturen."

Copyright © Neue Westfälische 2010, 27.08.2010 
 

Dienstag, 24. August 2010

Turkey: an ancient faith rebuilds its roots in Tur Abdin, the 'mountains of the worshippers'

Christian Syriacs who were expelled after a crackdown on the Kurds have returned from Europe to resettle their hilltop village
 
Michael Gunn
Mor Gabriel Syriac
 
Unholy dissent ... the Mor Gabriel monastery is the subject of legal wrangling. Photograph: Tarik Tinazay/AFP/Getty
 
From a few miles out they looked like Mesopotamia's first skyscrapers, a cluster of silhouettes towering over blood-red farmland. It was only when the cassock-clad monk steered us up the final incline that I realised what they were: gleaming three-storey villas that wouldn't have been out of place on the Costa Brava.
This was Kafro, an ancient village in Turkey's troubled and poverty-stricken south-east. Nearly two millennia ago this rugged region was largely Christian and known as Tur Abdin, the "mountains of the worshippers". A small Christian presence remained until the early 1990s, when the Turkish army cleared more than 3,000 villages to rob Kurdish rebels of cover. Expelled alongside the Kurds were Syriacs – also called Aramaeans – a Semitic minority speaking Aramaic and following a branch of eastern Christianity.
Several Syriacs joined me, their clothes and mix of languages indicating years spent in Germany and Sweden. I picked through Kafro's ruined church accompanied by Lukas, a stocky middle-aged builder, and Isa, a young photographer. A decade of litter carpeted the flagstone floor. "When we have the money, we'll rebuild," said Lukas, gesturing sadly.
He led the resettlement of the village in 2005 after working as a plumber in Stuttgart for 25 years. "Exile wasn't an option. This is the only place we feel at home," he explained. Yet there was more than a hint of Europe in the town they'd restored with its stolid villas sat behind high fences. We entered Lukas's villa and feasted on beef stew and chilled homemade wine. I met the village head. "We're Christian, and Christianity is important to us," he told me, supping sweet tea, a single nod to Turkish convention. "But we want the world to think of us as a people – as Aramaeans – with our own history, our own language and a right to live here."
The Syriacs' new wealth and isolation represented an easy target, he said. Legal wrangling over Christian land and the nearby monastery of Mor Gabriel had convinced many Syriacs that the government aimed to dispossess them a second time. "Everything can change in a moment here. We live with our eyes wide open," said Kafro's leader. With that he switched on the plasma TV and we watched army helicopters circle the mountains near Hakkari.

Mittwoch, 18. August 2010

Ralph Brinkhaus besucht den Tur Abdin – Heimat der syrisch-orthodoxen Christen

 
„Von jetzt an fahren Sie auf eigene Gefahr – wir können in diesem Gebiet nicht für Ihre Sicherheit garantieren!“ Die türkischen Sicherheitskräfte, von denen die Gütersloher Delegation auf Ihrer Reise durch den Tur Abdin begleitet wird, bleiben am Militärstützpunkt zurück. Die Delegation setzt ihre Fahrt in das Militärsperrgebiet fort, in dem sich sieben christliche Dörfer befinden. Nachdem sie in den 80er Jahren vollständig verlassen worden waren, kehrt seit einigen Jahren wieder etwas Leben in diese Dörfer zurück. Die Sicherheitslage, das bestätigen alle Gesprächspartner, hat sich verbessert. Einige der heute in Europa lebenden aramäischen Christen haben ihre Häuser wieder hergestellt oder neue gebaut.
Das Gebiet wirkt – obwohl es noch immer Sperrzone ist – auch an diesem Abend im Sonnenuntergang völlig friedlich. Von den heftigen Auseinandersetzungen zwischen PKK und türkischer Armee, unter denen auch die im Tur Abdin lebenden Aramäer litten, ist heute nichts mehr zu spüren. Doch die Augenzeugen von damals erinnern sich noch, als sei es gestern gewesen: Manchmal hätten die Kämpfer der PKK zum Beispiel an die Türen der Häuser geklopft und Lebensmittel verlangt. Man habe sich bedroht gefühlt und ihnen gegeben, was sie haben wollten. Bei den türkischen Soldaten habe das den Eindruck erweckt, dass man die PKK unterstütze. Verhaftungen, Folterungen und Gefängnisstrafen konnten die Folge sein. „Wir sind zwischen die Fronten geraten. Diese Situation hat dazu geführt, dass viele Aramäer sich gezwungen sahen, ihre Heimat zu verlassen“, fasst einer zusammen.
Zum Hintergrund – der Tur Abdin: Der Tur Abdin, ein Kalksandsteingebirge, liegt im Südosten der Türkei, nahe der Grenze zu Syrien. Übersetzt steht der Name für „Berg der Knechte Gottes“. Schon im 1. Jahrhundert wurden die dort siedelnden Aramäer zum Christentum bekehrt. Aus den christlichen Gemeinden in diesem Gebiet ging die syrisch-orthodoxe Kirche hervor, der die Mehrheit der Aramäer auch heute noch angehört. Besonders im 19. und 20. Jahrhundert wurden die Christen in der Region mehrfach Opfer gewalttätiger Übergriffe. Viele Aramäer starben im Jahr des Schwertes 1915 – bekannt als Völkermord an den Armeniern. Aramäische Dörfer wurden durch Tod und Vertreibung entvölkert. Seit den 1970er Jahren fand dann ein Exodus der Christen in die Nachbarländer, die USA, nach Europa und Australien statt. Viele ehemals christliche Dörfer wurden von Kurden besetzt oder vom Militär zerstört – mit Ausnahme der sieben Dörfer im Militärsperrgebiet. Heute leben im Tur Abdin noch etwa 3.000 syrisch-orthodoxe Christen. Etwa doppelt so viele Aramäer leben im Kreis Gütersloh, in Deutschland sind es ca. 60.000-70.000 und in Europa ca. 300.000 Aramäer.
„Ich bin 80 Jahre alt“, erzählt ein Mann, der heute wieder einen großen Teil des Jahres im Tur Abdin lebt. „Wenn Sie mich nach meiner Heimat fragen, dann sage ich: Deutschland. Ich bin der Bundesrepublik sehr dankbar, dass man uns damals Asyl gegeben hat, und ich habe die besten Jahre meines Lebens in Deutschland verbracht. Aber ich bin froh über die aktuellen Entwicklungen, und dass ich heute wieder die Chance habe, dort zu leben, wo ich aufgewachsen bin.“ Das kann der Bundestagsabgeordnete Ralph Brinkhaus, der die Delegation leitet, gut verstehen. Insbesondere freut ihn aber auch das klare Bekenntnis zur Heimat in Deutschland: „Ich kann den Dank nur zurückgeben. Im Kreis Gütersloh engagieren sich viele Aramäer ehrenamtlich, unter anderem in allen politischen Parteien. Das ist eine echte Bereicherung!“ Hervorzuheben sei auch die gute Zusammenarbeit zwischen allen christlichen Kirchen vor Ort. Auch das habe sicher dazu beigetragen, dass Gütersloh schnell zur neuen Heimat wurde.
Auch Eliyo Cetin, Rechtsanwalt in Gütersloh, kennt das bewegende Gefühl, in das Dorf seiner Kindheit zurückzukehren. Mit acht Jahren hat er es verlassen; zunächst zog die Familie nach Istanbul, später dann nach Deutschland. Nach über 30 Jahren steht er jetzt zusammen mit der Delegation wieder vor der Kirche von Bakisyan. Auf den ersten Blick hat sich vieles verändert. Aber als er auf dem Dach des – heute verfallenen – Hauses seiner Familie steht, kann er sich noch genau erinnern, wo er als Kind geschlafen hat. Ischo Can, der bereits in Gütersloh geboren wurde, hat diese Erinnerungen nicht. Aber auch ihm steht das Glück in die Augen geschrieben, als man ihm das Haus seiner Familie zeigt. Vielen der deutschen Delegationsteilnehmer wird erst jetzt richtig bewusst was es heißt, die Heimat verlassen zu müssen.
Ralph Brinkhaus sagt: „Ich habe schon viel über den Tur Abdin und das Schicksal der Aramäer gehört. Aber es ist etwas ganz anderes, sich einmal vor Ort zu informieren und ein Bild von der Lage zu machen. Vieles wird mir erst jetzt richtig klar.“ Es freue ihn sehr, dass sich die Sicherheitslage verbessert hat und es nun möglich ist, das Erbe der syrisch-orthodoxen Christen des Tur Abdin zu erhalten. Denn in den letzten Jahren sind viele Kirchen und Klöster aufwendig, mit viel Eigenleistung und großer Unterstützung durch die in Europa lebenden Aramäer restauriert worden. „Ich bin begeistert von der Arbeit, die hier geleistet worden ist. Dieses Erbe ist von großer Bedeutung für alle Christen“, so Brinkhaus. „Die syrisch-orthodoxe Kirche ist die älteste christliche Kirche außerhalb Jerusalems. Die Klöster sind fast 1.700 Jahre alt. Sie stehen teilweise auf den Grundmauern von Tempeln aus vorchristlicher Zeit. Es ist schon ein bewegendes Gefühl, zum Beispiel im Kloster Mor Gabriel zu Gast zu sein und zu übernachten – einem der ältesten Klöster der Welt.“ Er könne nur jeden ermutigen, sich vor Ort einmal selbst einen Eindruck zu verschaffen.
Zum Hintergrund – das Kloster Mor Gabriel: Das Kloster Mor Gabriel wurde im Jahre 397 gegründet und erhielt im 7. Jahrhundert seinen Namen – nach dem dort residierenden Bischof Gabriel (Heiliger Gabriel). Das Kloster war und ist ein bedeutendes geistiges und kulturelles Zentrum der syrisch-orthodoxen Christen. Im Jahr des Schwertes 1915 wurden alle Bewohner des Klosters umgebracht, 1919 wurde es wieder bezogen. Zwischen 1950 und 2000 wurden Wasser- und Stromversorgung eingerichtet, eine Straße zum Kloster gebaut und Gärten zur Selbstversorgung der Bewohner angelegt. Derzeit sind drei Gerichtsverfahren anhängig, die das Kloster betreffen. Viele Beobachter sind der Auffassung, dass von den gegnerischen Parteien eine Schließung des Klosters oder eine massive, das Kloster in seiner Existenz bedrohende, Verschlechterung der Rahmenbedingungen verfolgt wird. Der Deutsche Bundestag hat sich in der 16. Legislaturperiode eindeutig zum Kloster Mor Gabriel bekannt. Auch Bundestagspräsident Prof. Lammert hat im Februar diesen Jahres einen entsprechenden Appell an die Türkei gerichtet. Der Rat der Stadt Gütersloh hat 2009 eine Resolution verabschiedet und sich darin für die Achtung der Minderheitenrechte von syrisch-orthodoxen Christen in der Türkei ausgesprochen.
Bischof Timotheos Samuel Aktas hat die Delegation aus dem Kreis Gütersloh nach Einbruch der Dunkelheit um sich herum versammelt, um seinen Sorgen und seinem Ärger Luft zu machen. Aufgrund der anhängigen Gerichtsverfahren sieht er die Existenz des Klosters bedroht. Ralph Brinkhaus verspricht, dass man sehr genau beobachten werde, ob die Verfahren fair geführt werden. Die Türkei müsse wissen, dass sich das Tor nach Europa nur öffnet, wenn die Religionsfreiheit und die Rechte von Minderheiten garantiert sind. Zum Abschied dankt der Bischof für den Besuch: „Besuche wie dieser garantieren unsere Sicherheit, denn sie zeigen, dass die europäischen Länder sich für den Schutz der Klosters und die Achtung unserer Rechte als christliche Minderheit in der Türkei interessieren“.
Aus demselben Grund sollte eine Woche später auch der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, den Tur Abdin bereisen und das Kloster Mor Gabriel besuchen. Wegen des Rücktritts von Bundespräsident Horst Köhler musste der Besuch jedoch leider verschoben werden. {Bild: Ralph Brinkhaus mit Pfarrer Gök von der syrisch-orthodoxen St. Maria-Gemeinde in Gütersloh}.