Samstag, 2. März 2013

Aramäische Steinmetze formen Sandsteinaltar

02.03.2013 - HAUSEN
 
Die letzten einer Altarbauer-Generation sorgen im Hausener Kirchenschiff für Feinschliff 

(ger). Die weißen schweren Sandsteinquader stammen aus der Heimat, aus Nordmesopotamien am Oberlauf des Tigris in der heutigen Türkei, dem Tur-Abdin-Kalksteingebirge. Das ist heiliges Land für die syrisch-orthodoxen Christen, die auch in der Stadt Pohlheim eine neue Heimat gefunden haben. Im noch in Bau befindlichen Kirchengebäude der Mor-Had-Bschabo-Gemeinde wird jetzt auch im Kirchenschiff gewerkelt. Zwei Steinmetze, der 83-jährigen Samuel und sein Neffe Melke (67) sind aus Augsburg angereist, um den Stein zu einem Altar zu formen.

Gemeindevorstand Yakup Aydin und dessen Familie unterstützten die Gemeinde beim Altarbau. Pfarrer Malke Aydin war der erste Priester der Hausener Gemeinde, der auch noch selbst im Tur-Abdin-Gebiet gepredigt hatte. Mit seinem Wirken in den 80er-Jahren legte er den Grundstein für die heutige Hausener Kirchengemeinde.

Der Altar bildet mit seinen meterhohen Bögen die Dreifaltigkeit von Gott Vater, Sohn und Heiligen Geist in der Symbolik der syrisch-orthodoxen Kirche ab. Weinreben, Tauben und Ähren sind weitere Motive mit dem Kreuz als zentralem Mittelpunkt im Altar. Den ersten Altar bearbeitete Samuel noch in der Lehre mit seinem Vater im Jahr 1950. Immer waren es Altäre, die sie nach Vorlagen fertigstellten. Am Ende wird der Altar mit einer Mischung von Wasser und Kalk gestrichen, sodass sie die leuchtend weiße Ansicht behalten. Wenn der Altar fertig ist, dann ist das ein Tag der Freude für alle. Die ganze Gemeinde wird dann feiern. Muqsi (Pilger) Samuel und sein Neffe Muqsi (Pilger) Malke, die auch bereits eine Pilgerreise zum Heiligen Land nach Jerusalem unternommen haben und dadurch den Titel Muqsi (Pilger) tragen dürfen, blicken eher traurig in die Zukunft, weil es keine Nachfolger gibt. Die jahrhundertealte Tradition, die Altäre zu behauen, wird es dann nicht mehr geben.
usinger-anzeiger.de

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